Dienstag, 20. März 2012

Sind ÖBB-Fahrkarten zu billig?

Die Fahrkarten in Österreich sind zu billig, die arme französische Staatsbahn und der arme Herr Haselsteiner machen zu wenig Profit, jammert die WESTbahn.


Selber schuld, finde ich.

Die Sparschiene, um die es dabei geht, gab es grundsätzlich auch schon, als der jetzige WESTbahn-Chef Wehinger noch beim ÖBB-Personenverkehr war.


Damals gab es sie, wie Wehinger richtig anmerkt, nur für internationale Verbindungen. Dadurch entstand aber die absurde Situation, dass beispielsweise eine Fahrkarte von Wien nach Zürich oft billiger war, als eine Fahrkarte nach Innsbruck. Eine Sparschiene innerhalb Österreichs war also sowieso überfällig.


Vor einiger Zeit habe ich in einem Blog-Artikel anlässlich überfüllter Züge vorgeschlagen, Fahrkarten für weniger volle Züge billiger zu verkaufen. Ein paar Monate später wurde dies dann tatsächlich umgesetzt: Die ÖBB führte die Sparschiene Österreich ein:


Ausschließlich über das Internet (weil billigster Vertriebsweg) werden eine limitierte Anzahl (meist eine einstellige Zahl, nur selten über 10) Fahrkarten verbilligt abgegeben: Für Strecken unter 260 Kilometer ab 9 €, bis 600 km ab 19 € und darüber ab 29 €. Wie gesagt: Je Zug nur eine sehr kleine Anzahl Fahrkarten, die außerdem nur im gewählten Zug gelten und nicht umgetauscht werden können.


Die Fahrkarten gibt es vor allem für schlecht ausgelastete Züge, und das bringt zwei Vorteile:
Erstens werden dadurch Fahrgäste aus den volleren Zügen in die weniger vollen Züge gelockt, die Auslastung verteilt sicher besser.
Zweitens: Im Gegensatz zu den Airlines darf die Bahn nicht einfach einmal Fahrten ausfallen lassen, nur weil der Zug leer ist. Aber: Wenn Fahrgäste mit billigen Fahrkarten im Zug sitzen, nimmt die Bahn immer noch mehr ein, als wenn die Plätze leer sind.


Für Wien-Salzburg bekommt man also bei der ÖBB, wenn man sich mindestens 3 Tage vor Abfahrt (oder besser noch früher) für einen genauen Zug entscheidet, mit Glück eine Fahrkarte ab 19 €. Billiger geht nicht, weil es ca. 300 km sind.
Die nächste Preisstufe ist schon der Vorteilscard-Preis mit 23,80 €, dieser Preis entspricht auch dem Standard-Preis der WESTbahn.
Und der Normalpreis der ÖBB liegt bei 47,50 €.
Schwer zu sagen, wieviele Fahrgäste den Normalpreis bezahlen, und wieviele den Vorteilscard-Preis, aber eines ist sicher: Für 19 € fahren nur sehr wenige. Im Railjet oft nur 2 Stück!
Der Rest bezahlt mindestens 23,80 €, durchschnittlich eher mehr.


Und was macht die WESTbahn?
Sie verkaufen derzeit jedes Wochenende alle Fahrkarten für genau 9 €. Völlig unlimitiert!  Und völlig ungeachtet dessen, dass die Züge natürlich bummvoll gestopft sind, wie man anhand zahlreicher verärgerter Kundenkommentare auf Facebook und Twitter nachlesen konnte.


Und dann beschweren sie sich, dass sie zuwenig verdienen?
Hallo? Sorry, aber da fehlt's dann schon irgendwo. Offensichtlich legt man es nur darauf an, ein schlechtes Geschäft zu machen, damit man nachher den bösen ÖBB die Schuld zuschieben kann. Oder da kann einfach jemand nicht rechnen, oder hat sich nicht im geringsten über das Tarifmodell der Konkurrenz erkundigt.

1 Kommentar:

  1. Dem kann ich nur voll zustimmen. Die WESTBahn kommt sehr wehleidig rüber mit ihrem ganzen Geraunze wegen "unfairer Wettbewerb". Hättens halt mal früher gerechnet, ob sich das rechnet...

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